Sulfur HE 30Auszug aus dem Artikel über das homöopathische Arzneimittel Sulfur in den Homöopathischen Einblicken Heft 30.
Der einzige Artikel, den ich je veröffentlicht habe. :)

 

Auch auf der geistigen Ebene kann man Sulfur in zwei Typen einteilen: den philosophischen Typ und den praktischen Idealisten.

Der praktische Idealist ist der, ‘der Revolution macht und nicht weiß wofür’. Er ist ein Praktiker. Er hat die Taschen voller Zeugs. Er hat immer alles dabei. Er ist ein Improvisationstalent, ein guter Bastler. Er ist der Erfinder, der es niemals zu etwas bringt. Er ist der Typ, der mit seinem Hintern einreißt, was er mit seinen Händen aufbaut.’

In der griechischen Mythologie verkörpert Häphaistos den Schwefel. Er ist derjenige, der den Göttern immer hilft, etwas technisch durchzuführen. Er macht die dazu notwendigen Erfindungen, z.B. schmiedet er die Büchse der Pandora.’

Der philosophische Typ ist der Typ, ‘der nur von Revolution redet und nie eine macht’. ‘Er liebt es, Pläne zu schmieden.’ Er ist ein Theoretiker. Er labert, er schwafelt (“schwefelt”). Er braucht Zuhörer. Er ist sehr gesellig und das am liebsten bei einem Wein in seiner Stammkneipe. Dort diskutiert er gerne und stellt seine Theorien in den buntesten Farben dar.

Er ist der typische ‘zerstreute Professor’. Er ist verfahren. Er ist äußerst vergesslich, besonders Namen vergisst er schnell. Deshalb liegen auf seinem Schreibtisch oder bei ihm zu Hause überall kleine Zettel herum, auf denen steht, was er nicht vergessen will. Er kann seine Konzentration nicht lange halten. Er wird sehr schnell hirnmüde. Trotzdem kann er ein echtes Genie sein. In der Schule hatte er Einsen, obwohl er sehr faul war. Sie flogen ihm regelrecht zu. ‘Er hat einen Sinn dafür, wo alles ist. Sein Schreibtisch kann völlig chaotisch aussehen, aber er weiß genau, wo jeder einzelne Gegenstand zu finden ist.’

Er kann sehr eigensinnig und mürrisch sein, so, dass er niemandem antwortet. Oder er gibt überall seinen Senf dazu. Er hat für alles eine Ausrede. Er ist Meister der Ausrede. (Mein Vater hat mich oft in meinen Ausredenstrom mit dem Satz gestoppt: “Warum hat der Teufel seine Großmutter erschlagen?” – “Weil sie keine Ausrede mehr wusste!”)Er lügt viel, aber meist nur Nettigkeiten. Seine Lügen sind sehr leicht zu durchschauen. Sie sind so offensichtlich gelogen und mit einem Schmunzeln im Gesicht, dass man sie ihm kaum übel nehmen kann.Irgendwann glaubt er seine Lügen selber.

Er kann ‘jedes Wort hoch und übel aufnehmen’. Er ist ein Egoist. Er bezieht alles auf sich und ‘ärgert sich über alles. Was er begehrt, kann er gar nicht schnell genug bekommen.’ ‘Erst ich! Nur ich!, hier drückt sich ihr mangelndes Interesse für die Bedürfnisse anderer Menschen aus, aber für ihre eigenen Bedürfnisse sind sie genauso unsensibel.’

 

Er borgt sich gerne Dinge von anderen, verborgt aber äußerst ungerne seine eigenen. Er ist sehr großzügig mit dem Geld anderer Leute. Er ist so etwas wie ein Schnorrer. Er klaut auch gerne und besonders gerne klaut er Sperrmüll auf der Straße. Meist kann er Dinge gebrauchen, die andere schon lange für unansehnlich halten. Er hortet die Dinge. Er hat einen Sammelzwang. Er nimmt ‘zwanghaft alles mit, was es irgendwo umsonst oder billiger gibt’. Er liebt Sonderangebote.

Er lehnt jedwede Verantwortung ab. ‘Glaubt aber, sich verantworten zu müssen und erbost sich darüber.’ (“Ständig bin ich der Arsch. Egal was ich mache, immer bekomme ich die Schuld”) Er will auf keinen Fall Schuld haben an irgendetwas. Er “ent”schuldet sich schnell. Es fällt ihm äußerst schwer, einen Fehler einzusehen und noch schwerer, einen Fehler zuzugeben. Er hasst es, Fehler zu machen. Aus diesem Grund kann er auch nicht zeigen, dass ihm etwas Leid tut. Das wäre das Eingeständnis des Fehlers. Also versucht er sich schnell zu entschulden. Entweder indem er ein “T’schuldigung” hinmurmelt, oder meistens indem er den Fehler bagatellisiert. Er kehrt ihn unter den Teppich, am besten mit dem Satz: “Schwamm drüber, lass’ es uns vergessen”. Er lebt nach dem Prinzip: “Aus den Augen, aus dem Sinn”. Oder er ideologisiert den Konflikt. Er erschafft in Windeseile eine Theorie, warum es besser ist, es so zu tun, wie er es getan hat. Er dreht den Sachverhalt dabei solange hin und her, bis jemand anderer die Schuld hat und er glorreich dasteht.

Andererseits sieht er die Fehler der Anderen sehr gut und zögert auch nicht, sie darauf hinzuweisen. Er spart niemals mit seiner Kritik.

Er lebt in Widersprüchen. Zum Beispiel fährt er mit einem uralten Auto ohne Katalysator und einem enormen Öl- und Spritverbrauch auf eine Anti-AKW-Demonstration. Die Erklärung dafür ist äußerst spannend anzuhören.

Bei ihm bleibt alles offen. Sein Hosenstall, die Zahnpastatube. Besonders aber alle seine Beziehungen, denn er will so viel Freiheit, wie irgend möglich.

Ein zentraler Punkt in der geistigen Sulfur-Pathologie sind die Illusionen oder Wahnideen:’Der Sulfuriker ist optimistisch und siegessicher und er ist sehr entschlossen’. ‘Bei ihm bezieht sich die Hartnäckigkeit der Gedanken vorwiegend auf seine Luftschlösser, mit denen er versucht, die Realität seinen absurden und optimistischen Theorien anzupassen. Er nimmt sich von der Welt nur, was ihm am meisten zusagt’. ‘Er ist davon überzeugt, dass es für jedes Problem eine Lösung geben muss’. ‘Diese Eigenschaften und die Gabe die Wirklichkeit solange zurecht zu biegen, bis sie der eigenen Perspektive angepasst ist’, bewirkt, dass der Sulfur-Mensch phantastische Einbildungen hat, insbesondere ‘wird alles zum Schönen verdreht’ und ‘er glaubt sich im Besitz von schönen Dingen’. Dadurch hat er ‘Illusionen, besonders hält er Lumpen für schöne Kleider, oder er hält sich für reich’. ‘Er hat die Wahnidee, er sei eine hochgestellte Persönlichkeit’. ‘Er hat das unbewusste Verlangen, überlebensgroß zu sein.’ ‘Er lebt in einer törichten Glückseligkeit’. ‘Er lebt wie in einem Traum’. ‘Er reitet ein Steckenpferd, so dass er sich und die Welt vergisst’.

Er ist oft größenwahnsinnig. (Sulfur muss aber auch etwas Besonderes sein, denn als namhafte Homöopathen sich, auf eine Frage hin, entscheiden sollten, welches Arzneimittel sie als einziges auf eine einsame Insel mitnehmen würden, haben sich die meisten für Sulfur entschieden.) ‘Er hält sich für den Größten.’ Er ist ein Egoist und ein Angeber. Er verbreitet das Gefühl, ihm gehöre die ganze Welt. Er ist überheblich, hochmütig und beschäftigt sich viel mit seiner äußeren Erscheinung. Er ist ein Materialist. Er ist unsensibel, selbstsüchtig, habgierig, rücksichtslos, ausbeuterisch, sadistisch oder destruktiv. ‘Er bildet sich ein, falsche Sachen an Leute zu geben und so ihren Tod zu verursachen.’ Er ist ein Narzisst und ein Egoist, er lehnt Gesellschaft ab. Er ist selbstgenügsam und stolz. Er legt eine allgemeine Gleichgültigkeit an den Tag, nimmt keine Rücksicht auf andere.

 

 

Den vollständigen Artikel finden sie auf der Webseite des Verlag Medizinisches Forum meines Kollegen Hans-Jürgen Achtzehn.